Australien #1

Für die Vorbereitungen meiner Reise habe ich mir ein leeres Buch geschnappt, dass auf Arbeit mal als Werbegeschenk rumlag.

Praktisch! dachte ich mir und fing an, es mit Daten, Fakten und Checklisten zu füllen. Frau von Welt macht ja heute Checklisten.
Bislang befinden sich darin eingeklebte Wetter- und Flugdaten und erfreulicherweise schon ganz viele Häkchen. Neben meinen To-Do Listen..

Alles geklärt, bezahlt und organisiert. Jetzt muss ich nur noch hinfahren. Und mich aufm Flughafen nicht verlaufen. Ich bin berühmt für meine erstklassige Orientierung.

Es ist wirklich unglaublich, wie viele Menschen jemanden in Australien kennen. Was ist das nur für ein Phänomen? Fragste mal nach einem Bekannten in – keine Ahnung- Leipzig, kann dir niemand helfen. Aber fährste ans andere Ende der Welt, gibt es auf einmal zig „super liebe Menschen“, die du anschreiben und „ganz bestimmt bei ihnen überachten kannst“.

Ok, ja gern. Also schreib ich fleißig halbfremde Menschen an und bitte sie mich für eine Nacht aufzunehmen. Passt schon.

Mehr kann ich von hier nicht machen.

Ich bin schon voller Vorfreude und werde nicht nur dieses Buch, sondern auch diesen Blog täglich mit meinen Erlebnissen füllen.

 

Im Ländle, da wo man „schmälzt“

Ich hatte das Glück, eine der wenigen Flüge zu bekommen, die an diesem Streik-Freitag gestartet sind. Angekommen am Check-in Schalter, heißt es „Guten Morgen“ und ein grelles Kameralicht scheint mir ins Gesicht.“Was machen sie denn schon hier? Hier ist doch noch keiner?“, fragt mich der Reporter. „Morgen, häh?“ Ist das erste was mir in den Sinn kommt. Nicht sehr einfallsreich, aber es war ja auch erst morgens halb 7. Was ich denn von dem Streik hielte, fragt er mich. „Naja, sollen´se mal machen, scheint ihnen ja wichtig zu sein.“ sprudelt es aus mir raus. Das ist auch das Einzige, was am Ende im Fernsehen übertragen wird. Eigentlich sprudelte noch viel mehr aus mir, aber das war ihnen wohl zu viel, zu schnell und zu sehr im Dialekt. Schön, dann bin ich jetzt im Fernsehen. Die Bestätigung kam prompt durch eine SMS. „Schön haste das gesagt! Faust nach oben für den Streik!“ Hihi. Im Ländle angekommen, gehts ins Hotel. Vertraut urig begrüßt mich die altbackene 70er Einrichtung mit braunen Möbeln, braunen Fliesen und Rauchergeruch.

Von einem Bekannten aus dem Ort erfahre ich, dass dieses Hotel wohl eine beliebte Biker/Motorrad/Männer/Haudegen Unterkunft ist. Super. Klingt nach Lärm.Essen wäre jetzt gut. Die Speisekarte gibt viel her. „Geschmälzte Maultaschen, Zwiebeln und Käs-Spätzle“ Klingt alles unglaublich lecker, aber zuviel um es hier aufzuschreiben. Das Ländle ist immer gut, warm, freundlich und wenn man auch noch erklärt bekommt, was „schmälzen“ und „Dünnerle“ heißt, hat man sogar noch was gelernt.

Outing als Touri

Bin in verschneitem Postkarten-Dörfchen im Süden Deutschlands und muss sagen: Hier schiebt man ein fremdes Auto mit an, wenn es nicht aus seiner zugeschneiten Parklücke rauskommt, hier grüßt man sich und fragt wie denn der Skilanglauf war, obwohl man sich nie gesehen hat..hier Ticken die Uhren anders.

Ich find’s schön. Zu Hause kommen die Leute grade mal ins Gespräch, wenn man auf Grund der Enge in vollen Zügen nicht weiß wo man hingucken soll.

Hingerissen vom Anblick, hab ich mich fallen lassen und den Schneeengel gemacht. Fiese Nässe im Nacken und das Outing als „Wir haben doch bei uns so selten Schnee“-Touri inklusive. Egal.