Urlaub im Ländle

Urlaub im Ländle ist immer gut.

Die Menschen im Ort sind freundlich, die Busse kommen pünktlich, das Essen ist grandios, der Wein fließt in Mengen.

Es gibt jedoch ein paar Regeln, die es zu beachten gilt:

1. Grüße alle auf der Straße. Du kennst sie nicht, egal. Mach es trotzdem. In Berlin würde man dafür verhauen. Im SPECKgürtel von Stuttgart nicht. (Anmerkung der Redaktion: SPECKgürtel. Was für ein Wort?!)

2. „DAS IST KEIN TRABI!“ – Soll heißen: lass die Türen nicht knallen. Sondern nur leicht und leise ins Schloss fallen. Egal ob Wohnungs-, Eingangs- oder sonst weiß was für ne Tür.

3. Setz dich nicht auf Bürgersteige. Anwohner von SPECKgürteln neigen dazu, ihren Kopf aus dem Auto zu strecken und dich lauthals anzuschreien. Ohne Inhalt. Sie schreien einfach. Handelt es sich um junge Männer, sollte man die Idee des Balzverhaltens in Betracht ziehen. Was allerdings die wohl unpraktischste Art wäre, Frauen anzusprechen – oder anzuschreien. Da können wir nämlich ganz schön UNGEMÜTLICH werden!

4. Versuche beim Autofahren auf den Bergen schneller als 40km/h zu fahren, da du dir sonst den Unmut der orts- und straßenkundigen Anwohner heranziehst. Die stehen nämlich gar nicht darauf, wenn sich hinter Touris lange Autoschlangen bilden – und sie mittendrin sind. Sie sind es gewohnt mehrmals täglich Landstraßen – kurvige Landstraßen – zu fahren. So fahren sie locker nachts, bei Regen ohne Licht oder sie telefonieren entspannt mit ihrer Schwiegermutter und besprechen die Einkaufsliste für die näschde Pahrdy, während sie in einer scharfen Linkskurve auf 80km/h „runterbremsen“.

Wenn du all dies beachtest, erwartet dich eine wunderbare Zeit zwischen stillen Apfelhainen, grünen Bergen und Tälern, Nebelschwaden, die nachts aus den Wäldern kriechen, um das Tal zu bedecken, Maisfeldern und Blumenwiesen, die wunderbar duften und scheinbar endlosen „Trimm dich“-Pfaden quer durch den Wald.

Im Übrigen ist man super nah an Straßburg. „Le petit France“ der Altstadtkern, nicht weit vom Hauptbahnhof, ist echt schön. Viele kleine Gassen, Fachwerkhäuser wohin das Auge blickt und Millionen Touris. Deswegen ist es besser die Seitenstraßen zu nehmen. Der Knaller ist aber das Münster (eine der schönsten Kathedralen der europäischen Architektur). Stell dir vor, du läufst in der Altstadt rum und richtest deinen Blick nur auf Shoppinghöhe aus, irgendwann fragst du dich: „Wo ist die denn?“ Dann hebst du einmal kurz den Kopf und sie springt dir förmlich ins Gesicht. Unfassbar, dass sie von Menschenhand gebaut wurde. Riesig. Buchstäblich. Echt sehenswert.

Hatte ich schon erwähnt, wie unglaublich lecker die schwäbische Küche ist? Fast hätte ich meine Urlaubsbegleitung an sie verloren. Ich konnte sie nur schwer mit Berliner Bouletten und Kartoffelsalat ins Flugzeug locken. Die Esslinger zum Beispiel machen aber auch Sachen: wahnsinns Zwiebelkuchen (hach, Esslinger Zwiebelfest … ) und Wurstsalate, die sich ins Hirn einbrennen.

Wenn 2 Menschen nur noch durch abwechselndes Glucksen miteinander kommunizieren, ist das Essen – richtig gut.

Lust auf SPECK?

1. Weißbier am Starnberger See

Uns erwartete ein kalter aber sonniger Abend am Starnberger See. Gerade erst dort angekommen, gab es ein kräftiges Weizenbier und einen tollen Sonnenuntergang. Das Abendessen versprach lecker zu werden: deftige, scharfe Soljanka mit Weißwein. Satt und selig gebettet, freuten wir uns am nächsten Morgen auf bayerisches Frühstück: Weißwurst mit süßem Senf, Bier und Butterbrezn. Puuh, lecker aber echt schwer. Alter Schwede.

 

Im Ländle, da wo man „schmälzt“

Ich hatte das Glück, eine der wenigen Flüge zu bekommen, die an diesem Streik-Freitag gestartet sind. Angekommen am Check-in Schalter, heißt es „Guten Morgen“ und ein grelles Kameralicht scheint mir ins Gesicht.“Was machen sie denn schon hier? Hier ist doch noch keiner?“, fragt mich der Reporter. „Morgen, häh?“ Ist das erste was mir in den Sinn kommt. Nicht sehr einfallsreich, aber es war ja auch erst morgens halb 7. Was ich denn von dem Streik hielte, fragt er mich. „Naja, sollen´se mal machen, scheint ihnen ja wichtig zu sein.“ sprudelt es aus mir raus. Das ist auch das Einzige, was am Ende im Fernsehen übertragen wird. Eigentlich sprudelte noch viel mehr aus mir, aber das war ihnen wohl zu viel, zu schnell und zu sehr im Dialekt. Schön, dann bin ich jetzt im Fernsehen. Die Bestätigung kam prompt durch eine SMS. „Schön haste das gesagt! Faust nach oben für den Streik!“ Hihi. Im Ländle angekommen, gehts ins Hotel. Vertraut urig begrüßt mich die altbackene 70er Einrichtung mit braunen Möbeln, braunen Fliesen und Rauchergeruch.

Von einem Bekannten aus dem Ort erfahre ich, dass dieses Hotel wohl eine beliebte Biker/Motorrad/Männer/Haudegen Unterkunft ist. Super. Klingt nach Lärm.Essen wäre jetzt gut. Die Speisekarte gibt viel her. „Geschmälzte Maultaschen, Zwiebeln und Käs-Spätzle“ Klingt alles unglaublich lecker, aber zuviel um es hier aufzuschreiben. Das Ländle ist immer gut, warm, freundlich und wenn man auch noch erklärt bekommt, was „schmälzen“ und „Dünnerle“ heißt, hat man sogar noch was gelernt.