2 Jahre vegan. Mein Fazit.

Da bin ich nun. In diesem Monat feiere ich mein 2-jähriges. Ganz sang- und klanglos. Zwei Jahre, die ich nun vegan lebe. Zwei Jahre voller Erst-Erfahrungen. Ich muss sagen, sie gingen schnell ins Land. Wahnsinn. Ich habe durchmischte Gefühle, wenn ich an die kommenden Jahre denke. Nicht, dass ich mich später nicht mehr vegan ernähren möchte, aber die Reaktionen der Mitmenschen sind schon sehr verschieden und ich hoffe, den goldenen Weg zu finden, mit diesen Reaktionen umzugehen.

Wie gehe ich damit um?

Zuerst einmal bin ich eine Veganerin, die damit nicht großartig hausieren geht und allen davon erzählt. Ich habe es meinem direkten Umfeld gesagt, einfach damit sie wissen, warum ich dieses oder jenes nicht mehr essen möchte. Bei den Leuten, die es nicht wissen, ergibt es sich irgendwie. Meistens daraus, was auf meinem Teller liegt. Warum ich nicht einfach mit in die Kantine komme und mir Nackensteak mit Gemüse bestelle, sondern für 15 Minuten verschwinde und mit frischen Mangostreifen und einer Nussmischung vom Asiaten zurückkomme.

Der Anfang von allem

Vor gut 4 Jahren begann ich, mich vegetarisch zu ernähren. Es war Ostersonntag, ich aß gerade Salat und schaute mir auf dem Laptop eine Doku über Vegetarismus an. Surfte von einer Webseite zur nächsten und landete bei peta. Diverse Videos, Artikel und Stunden später entschied ich mich vegetarisch zu leben. Ich sagte Fleisch von einen auf den nächsten Tag ab.

Schweinbraten war voll mein Ding

Ich habe immer viel Fleisch gekocht, gebraten und in den Ofen geschoben. Ich war gut in der „Deutschen Hausmannskost“.  Seit besagtem Ostersonntag lebte ich aber vegetarisch. Ganz ehrlich: Mir ist buchstäblich der Appetit vergangen.
Im Laufe der Zeit sagte ich mir, dass ich früher oder später auch keinen Fisch mehr essen möchte. Denn ich hatte schon da eine Ahnung davon, dass man Fische nicht einfach aus der Rechnung ausklammern konnte. Es hat dafür aber noch eine Weile gebraucht.

Nach 2 Jahren, war ich wieder allein zuhause. Es war spät und ich konnte nicht schlafen. Und ich dachte wieder daran, mit dem Fischverzehr aufzuhören und schaute mir wieder diverse Videos, Artikel und Dokus an.

Von dieser Nacht an, entschied ich mich, komplett auf Tiere und Tierprodukte zu verzichten. Fisch, Käse und Eier sollten aus meinem Leben verschwinden.

Ich weiß, diesen Artikel lesen sehr wahrscheinlich nur andere Vegetarier oder Veganer, weil man als Omnivore das echt nicht wissen will. Man ahnt ja bereits, dass es Veränderung mit sich bringen könnte.

Achtung, verstörende Inhalte

Ich möchte an dieser Stelle aber die omnivoren Leser ansprechen. Solltet ihr euch informieren wollen, stellt euch darauf ein, dass es traurig wird. Wenn ihr erst einmal seht, wie die Tiere vor Angst die Augen aufreißen, schreien und um sich treten. Da kommen euch die Tränen. Denn ihr seit mitfühlende Wesen und euch werden mit absoluter Sicherheit die Tränen kommen. Das sind harte Szenen, die man ehrlich gesagt auch erstmal verdauen muss. Gut schlafen kann man danach nicht.

Deswegen verstehe ich, dass dieser Wunsch, sich zu informieren erst kommen muss. Ich verurteile niemanden, der Fleisch isst. Ich weiß, dass die meisten Menschen auf diesem Planeten mitfühlende, warmherzige Wesen sind. Und wie Paul McCartney sagt: Wären Schlachthäuser aus Glas, würde niemand mehr Fleisch essen.

Aber das sind sie nicht. Und so wächst die Zahl der Veganer nur langsam. Aber hey, sie wächst!

Was sagen wohl die anderen?

An diesem ersten Tag meines neuen veganen Lebens, machte ich mir größere Sorgen um die Reaktion meines Umfelds, als um meine neue Lebensweise. Ich dachte, ich bekomme mächtig Gegenwind und dass man das nur für eine Phase abstempelt. Aber nein. Meine engsten Freunde und meine Familie waren offen dafür. Stellten mir zig Fragen, die ich mittlerweile immer besser beantworten kann. Ich bin ja weder Ernährungsberaterin, noch Chemikerin oder Ärztin.

Es fällt mir bis heute schwer Statistiken und medizinische Begriffe 1:1 quer über die Kaffeetasse wiederzugeben. Diese Informationsflut kann ich mir nicht echt nicht merken. Wen es interessiert, der kann mich gern nach Quellen fragen und sich selbst belesen.

Manchmal ist es schwer

Es gibt aber auch andere Reaktionen. Gefährliches Halbwissen gepaart mit Verschlossenheit. Und darauf hab ich bis heute keine perfekte Antwort. Manchmal kann ich locker damit umgehen und alles erklären und manchmal fällt es mir super schwer. Denn ich fühl mich als diejenige, die sich erklären muss. Und dann bitteschön hieb und stichfest, gespickt mit Statistiken und medizinischem Know-how.

Finde „den Stein der Weisen“

Alle bestehen darauf, dass Kinder sich gesund ernähren und viel Obst und Gemüse essen. Wenn man dann aber sagt, ich ernähre mich jetzt nur noch pflanzenbasiert, fragen sich alle, ob man dann nicht unterversorgt ist und Mangelerscheinungen bekommt. Die Logik ist so verdreht.

Frag mal Jaqueline aus Marzahn, die sich hauptsächlich von Wurst und Steak ohne Ende, Weißbrot, Nutella und Milch ernährt. Frag sie mal, wie ihre Blutfettwerte sind. Und ob sie darauf achtet, wie ihr Eisenwert im Blut ist. Ob sie genug Vitamine und Ballaststoffe bekommt. Oder wie ihr Cholesterinwert ist. Es ist völlig absurd, anzunehmen, dass eine Ernährung, die auf Antibiotika vollgepumptes Fleisch, stark verarbeiteten Lebensmitteln und verstecktem Zucker basiert, gesund sei und eine vollwertige pflanzliche Ernährung aus Obst, Gemüse, Kohlenhydraten, Nüssen und Vollkorm ungesund sei.

Aber mit der Zeit kommt immer mehr Wissen

Es ist erschreckend.
Wer viel Milch trinkt, wird groß und stark. Buchstäblich eine veralteter Glaube. Welche Evolution würde denn zulassen, dass eine Spezies nur überleben kann, wenn sie die Muttermilch von anderen Spezies trinkt?
Die Milch von Kühen ist vollgepumpt mit Wachstumshormonen. Damit das eigene Kalb schnell groß und stark wird. Das Kalb. Also ein junges Rind. Das vor der Domestizierung durch den Menschen im Freien gelebt hat und überleben musste.

Unser menschlicher Körper hat einen ganz eigenen Hormonhaushalt. Und der ist mega komplex. Wenn man den Hormoncocktail, namens Muttermilch, einer frisch gewordenen Mutterkuh trinkt, nehmen wir einen komplexen Hormonhaushalt zu uns, mit dem unserer erst einmal klarkommen muss. Und jetzt überlegt euch mal, dass wir in gekaufter Milch ja nicht die Milch von einer einzigen Kuh trinken, sondern die von mehren hundert Kühen?

Der gute alte Lobbyismus


Milch ist ein riesen Thema. Es gibt ganze Bücher und Reportagen zur Milchindustrie und den Auswirkungen des übermäßigen Milchverzehrs auf den menschlichen Organismus. Genauso verhält es sich mit Fleisch. Uns wird von klein auf antrainiert, dass Männer, die grillen und viel Fleisch essen, unheimlich männlich, gesund und stark sind. Und das Frauen, die auf Bouletten stehen, unheimlich cool (weil männlich). Aber das erektile Dysfunktion (Impotenz) und verstopfte Arterien, aufgrund von zu hohem Fleisch- und Wurstkonsum zusammenhängen, darüber redet man nicht.

Bowl oder Döner?

Seit ich vegan lebe und sehr viele Statistiken gelesen und recherchiert habe, komme ich mir manchmal vor, als würde ich auf einem anderen Planeten leben. Ich muss mich wie ein Chemiker rechtfertigen, welche Mineralien und Aminosäuren ich mir über meinen Salat voller Ballaststoffe (Gemüse), Kohlenhydraten (Kartoffel, Quinoa) und guten Fetten (Leinöl, Avocado, Nüsse) zuführe, während sich jemand einen fettigen, arterienverstopfenden Döner in den Mund schiebt.

Und jetzt?

Ich achte bei neuen Gürteln darauf, dass sie aus Kunstleder sind, google viel über Winter-Kunstlederschuhe, Pinatex und Naturkosmetik. Weder Fleisch, Käse oder Milch kommt auf den Tisch. Bei Süßigkeiten achte ich darauf, dass sie vegan sind, ich backe vegan und verwende nur noch tierversuchsfreie Naturkosmetik. Ich esse gesünder denn je und achte links und rechts mehr auf ein ökologisches und nachhaltiges Leben.

Und wieder: Was sagen die anderen?

Meine Freunde und Kollegen bezeichnen mich als entspannte Veganerin. Ich hoffe, ich kann mir diese Einstellung bewahren. Sollen sie alle machen und essen, was sie wollen. Ich esse und mach ja auch, was ich will.

Bis hierher gelesen?

ICH FREU MICH! Offensichtlich interessiert dich das Thema. Vielleicht packt es dich ja die ein oder andere Minute und du möchtest dir auch mal mehr zu dem Thema Massentierhaltung, Klimawandel und Auswirkungen von Tierprodukten auf den menschlichen Organismus anschauen. Dann hab ich hier ein paar gute Links für dich:

Webseiten:

Bücher:

6 Monate vegan – Gedanken

Ich war schon einige Zeit Vegetarier.

Aß kein Fleisch, dafür Fisch, Käse und Eier. Ich erinnere mich noch heute daran, wie ich im Frühling 2013 am Herd stand. Keine Verabredungen, keine Verpflichtungen. Nur ein ruhiger Ostersonntag zuhause. Ich war Single und niemand wartete auf mich. Also beschloss ich, mich mit meinem Salatteller an den Schreibtisch zu setzen und mir auf YouTube irgendwas mit „ganzer Film deutsch“ anzusehen. Ich hatte Lust auf Dokumentarfilme über die Nahrungsmittelindustrie. Global oder auch nur in Amerika. Mir gleich, ich wollte wissen, wie erfolgreich die Lobbyarbeit der verschiedenen Lebensmittelkonzerne war.

Also sah ich mir zwei Filme und eine Doku über die Verkaufsstrategien der großen Lebensmittelkonzerne, Massentierhaltung und Fast Food-Industrien an. Was darauf folgte? Vegetarismus. Für die nächsten 2 Jahre.

Im Laufe der Zeit ist mir eine Äußerung zu meiner pflanzlichen Ernährung besonders hängen geblieben. „Auf Fleisch verzichten ja, aber auf KÄSE?!! Never! Nie im Leben könnte ich auf Käse verzichten. Da würd ich nicht aushalten.“

Der Denkfehler in dieser Aussage ist, dass man das nur sagt, wenn man Fleisch und Käse isst. Und wenn keine Dokus über die Milch- und Fleischindustrie gesehen hast. Denn, wenn du das gesehen hast, vergeht dir buchstäblich der Appetit auf Käse, Fleisch und auf Eier. Die Frage stellt sich dir gar nicht. Und du wirst Käse nicht vermissen. Genauso wenig, wie du deine Hass-Gerichte aus Kindertagen vermisst. Pelle auf warmer Milch. Bratkartoffeln mit Leberwurst oder Obstsalat mit Rosinen und Walnüssen. Ihh.

Nach diesem Wochenende wurde ich also Vegetarier. Gleich Veganer zu werden, war mir zu krass. Das wäre gleich zu viel für den Anfang. Erstmal vegetarisch testen und dann weitersehen.

Ich empfand mich nie als expressionistisch, aber offiziell vegetarisch zu sein, erschien mir auch wie ein politisches Statement. Ich würde doch tatsächlich eine Aussage treffen. Ein Statement abgeben.

Es fiel mir leicht, kein Fleisch zu essen. In den 2 1/2 Jahren hatte ich aber zwei Momente, in denen ich mir einen Burger bestellte, aber beide Male wurden meine Erwartungen enttäuscht. Es schmeckte nicht mehr.

Ich war also auf diesem Festival am Strand, suchte mir einen großen Felsen, auf dem ich sitzen konnte und hatte den Burger in der Hand. Freudig und gespannt zugleich. Wie es wohl ist, jetzt wieder Fleisch zu essen? Nach so langer Zeit? Ich erinnere mich genau: Da war dieser Moment, als ich in den Burger biss, die ultimative Geschmacksexplosion erwartete und sie nicht eintraf. Dieser Moment, als ich noch mal reinbiss und dachte, es käme dieser alte vertraute Gedanke, dass man doch wieder Fleisch essen will und wird, weil’s doch so gut schmeckt und ach was solls. Aber nein, nichts.

Wer schon mal in seinem Leben geraucht, es aufgegeben und wieder angefangen hat, weiß was jetzt kommt. Nach sagen wir mal 3-4 Wochen Nichtrauchen, steckst du dir wieder eine Zigarette an. Aus Gründen. Welche sind ja auch völlig egal. Man ist süchtig, da kann schon der erste Sonnenstrahl im Frühling ausreichen. Naja auf jeden Fall steckst du sie an und erwartest den selben Geschmack wie bei deiner letzten Zigarette. Bevor du aufgehört hast. Dabei hast du eine klare Vorstellung von dem was kommen soll: Geschmack und Befriedigung. Es ist eine wohlige Erinnerung. Du erwartet die ultimative Befriedigung und einen tiefen glücklichen Seufzer, der aus dir rauspurzelt, nachdem du gezogen hast.
Leider sieht die Realität ganz anders aus. Man zieht an der Zigarette und sie kratzt. Der Rauch geht auch nicht so tief in die Lunge, wie sonst. Es fühlt sich nicht gut an in der Lunge. Sie schmeckt auch irgendwie nicht so gut. Du erinnerst dich direkt an deine 1. Zigarette. Vielleicht hast du sie aus der Hausbar deines Vaters gestohlen und mit der Freundin heimlich im Keller angezündet. War es eine West? Oder doch HB?

Zurück zu meinem Vergleich zwischen Strand-Erlebnis und der ersten Zigarette nach 4-wöchiger Abstinenz. Sie schmeckt zwar nicht, kratzt und du merkst auf einmal, dass sie „riecht“ und by the way nicht sehr gut, aber du rauchst weiter. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis sich der Körper wieder daran gewöhnt hat und du die halbe Schachtel am Tag locker wegrauchen kannst.

So fühlte ich mich auch im Sommer 2014 als ich auf einem Festival an der Ostsee einen saftigen, mit frischem Salat belegten Bio-Burger vom Food-Truck in der Hand hielt und mit hoher Erwartung reinbiss. War leider nicht mehr so geil. Ich habe mit dem Rauchen aufgehört und ich habe mit dem Fleischverzehr aufgehört. Beides irgendwie schwer und doch einfacher als gedacht. Und die Erde dreht sich weiter.

Ich habe Fleisch nicht mehr „vermisst“. Der „Burger-am-Strand-„Moment hat mir gezeigt, dass sich einige Gewohnheiten lange halten können, ich aber in der Lage bin, neue zu schaffen. Ich habe neue Marker in meinem Kopf eingepflanzt. Unbewusst. Marker, die mir die Befriedigung am Rauchen und Fleischessen blockieren. Es ist nicht mehr dasselbe wie früher. Die Bilder von den Mastanlagen, den Angestellten in Großschlachtereien, die männlichen Kälbern noch mit voller Kraft auf den Kopf treten, die rohe Gewalt und der Sadismus, der offen gelebt wird, setzt sich einfach fest. Fleisch schmeckt mir nicht mehr. Ich habe erkannt, was es bedeutet hat, dass es hier bei meinem Edeka ums Eck für 2,19€ liegt.
Dabei macht es auch keinen Unterschied, ob es Bio ist oder nicht. Ich habe früher immer gesagt, dass ich, wenn möglich, nur Bio-Fleisch kaufe. Der Gedanke dahinter ist, dass es ja dann nicht so schlimm ist. Ist ja Bio. Und ja bei Biofleisch dürfen keine Antibiotika im Futter eingesetzt werden, die Schweine, Rinder und Hühner bekommen etwas mehr Platz in den Gehegen zugesprochen und sie müssen Zugang zu Frischluft und Wasser haben, aber das heißt nicht, dass sie auf die Wiese dürfen. Wir Verbraucher denken bei Bio doch nicht an Mindestzugaben von Bio-Zutaten in Futtermischungen, damit es für das Bio-Siegel reicht oder dass ein Mastbulle bei Bio-Haltung ganze 3qm für sich beanspruchen darf, statt nur 2,4qm, wie in konventionellen Betrieben. Wir denken an eine innere Überzeugung beim Bauern. Und Haltungsbedingungen. An Wiesen. Allgäu, Berge und Sonne und einen alten zerknitterten Bauern, der seiner Milchkuh einen Namen gibt. Mit diesen Bildern im Kopf arbeitet die Lebensmittelindustrie.
Es sind dieselben Schlachtereien, dieselben Mastanlagen. In Bio-Massentierhaltung werden die Schweine und Rinder genauso zur Schlachtbank geführt, wie in jeder anderen Schlachterei auch. Und auch im selben Tempo.

Was man sich dabei vor Augen führen muss, sind die unvorstellbaren Mengen Fleisch, die produziert werden, um den Edeka, Aldi, Lidl, Kaisers, den Fleischer, den Rewe und noch den ÖzGida um die Ecke zu beliefern. Und das in nur einem Kiez. Jetzt kann man selbst hochrechnen: Wieviel Fleisch wird für eine ganze Stadt oder ein ganzes Bundesland benötigt? Wieviel für Berlin/Brandenburg, Hessen, Thüringen, Baden-Württemberg, Bayern und all die anderen Bundesländer? Es muss immer Ware in den Kühltruhen liegen. Oder hast du schon mal eine leere Kühltruhe gesehen, nur weil du Mittwochabend um 19:47 Uhr noch schnell in den Kaisers reingehüpft bist. Eben noch was für’s Abendbrot holen? Nie oder? Ich auch nicht.

Dieses Wissen um die Tierhaltung ist wie eine Tür. Einmal durch, kannst du es nicht mehr rückgängig machen. Und deswegen „vermisse“ ich Fleisch auch nicht.

Viele, mit denen ich seitdem über Vegetarismus gesprochen habe, meinten zu mir, „…dass man sich ja solche Dokus über Schlachtereien auch nicht anguckt!“ In den Augen sehe ich dann immer das Mitgefühl, dass sie für die Tiere haben. Es ist da. Ganz normal. Warum auch nicht? Aber deswegen guckt man sich ja sowas auch nicht an. Weil einem die Tiere dann leid tun.

Von jemandem, der heutzutage unreflektiert konsumiert, erwartet niemand eine Erklärung. Schon gar nicht eine schlüssige. „Fleischkonsum hat die Menschheit vorangebracht. War für die Evolution des Menschen tragender Bestandteil. Die Menschen konnten sich weiterentwickeln.“ Als Vegetarierin oder Veganerin hast du das Gefühl, mi Statistiken und wissenschaftlichen Artikeln rumlaufen zu müssen, um potentielle Fragen hieb und stichfest beantworten zu können.

Ich schließe gar nicht aus, dass der Verzehr von rotem Fleisch für ein größeres Hirn gesorgt und damit den Intellekt der Menschen vorangetrieben hat. Oder das irgendwelche Bauern aus dem soundsovielten Jahrhundert Fleisch dringend zum Überleben brauchten. Aber das war vor tausenden Jahren. Das hat mit dem modernen Menschen, den High-Tech Lebensmitteln und dem maßlosen Konsum von heute überhaupt nichts mehr zu tun. Heute habe ich die Wahl. Auch wenn Menschen schon immer Fleisch gegessen haben, bin ich doch heute in der Lage mich anders zu entscheiden. Auf vielen Veggie-Webseiten liest man dazu immer, dass  sich Menschen auch seit Jahrhunderten brutal selbst zerstören, plündern, morden und sonst was. Nur weil das schon immer so ist, heißt das ja nicht, dass es deswegen moralisch und ethisch ok ist.  Und wir es weiterhin tun sollten.

Heute wissen wir, das unser Organismus ganz wunderbar ohne Fleisch und Milch auskommt. Wir können essen was wir wollen, es gibt genug. Mit dem Neandertaler, der dringend rotes Fleisch braucht, habe ich, moderne Frau im Jahre 2016 doch nichts mehr zu tun?! Ich habe Zugang zu Hülsenfrüchten, Obst, Gemüse, Getreide und Wasser. Alles Nahrungsmittel, mit denen ich mich gesund und vollwertig ernähren kann. Ich kann vor allen Dingen gesund sein, ohne Fleisch. Und alt werden. Und Kinder kriegen. Und ’ne Krankheit überstehen. Ich bin ein moderner gesunder Mensch der Neuzeit. Ich brauche kein Fleisch.

Seit fast 6 Monaten ernähre ich mich vegan. Ich habe aufgehört Fisch, Käse und Eier zu essen. Fleisch sowieso. Ist klar. Wieder war ich allein zuhause. Es war spät abends, gegen 23 Uhr. Ich lag am Wochenende im Bett und konnte nicht schlafen. Ich musste nicht früh aufstehen oder zur Arbeit. Ich checkte den Facebook Stream und sah einen Beitrag von PETA Deutschland. Sie posteten ein Video von Schlachthausbedingungen und blendeten ein Zitat von Paul McCartney ein, der sagte: „Wenn Schlachthäuser Wände aus Glas hätten, wäre jeder Vegetarier.

Der Gedanke vegan zu leben, ging mir schon vorher durch den Kopf, nur schob ich ihn immer weg, weil er mir zu anstrengend wirkte. Ob ich das schaffen würde? Ich liebe doch Käse!! Naja, ich klickte mich also durch die Video Playlist im PETA YouTube Channel und sah mir ein Video nach dem nächsten an. Und dann war es soweit. Vegetarismus fiel mir leicht. Veganismus muss auch zu schaffen sein. Wenigstens probieren.

In den darauffolgenden Wochen las ich zig Berichte, Reportagen, klickte mich durch Webseiten, Rezeptbücher, Vereine und bestellte ein Buch, dass sich mit Veganismus beschäftigte. Gleichzeitig bekam ich ein Buch zu diesem Thema geschenkt und las das auch noch. Und umso mehr ich mich informierte, desto weniger abschreckend und schwer wirkte es, Veganer zu sein.

Irgendwann, da war ich schon seit einigen Wochen offiziell Veganerin, war bei meinem Freund und las in einem Heft. Es war eins dieser Magazine, die in Bioläden ausliegen. In dem Heft drehten sich viele Texte nicht nur um Vegetarismus, sondern auch um Veganismus. Und ein Artikel blieb mir besonders in Erinnerung. Denn ich war und bin bis heute die einzige Veganerin in meinem Freundeskreis. Ich kann mich also mit niemandem dazu austauschen. Ich muss die Reise selbst antreten. Bis zu welchem Punkt geh ich mit und ab wann sag ich stop? Mich beschäftigten Fragen wie „Muss ich meine Leder Boots wegschmeißen? Wie schnell muss ich die Ernährungsumstellung „perfekt“ beherrschen? Muss ich jetzt wie ein wandelndes Lexikon alle Fragen aus dem Stehgreif beantworten können, sollte ich in einen Omnivore vs. Vegan Diskurs geraten? Was genau gehört zum veganen Lebensstil?

Ein Artikel half mir Antworten auf meine Fragen zu finden.  Er nahm die Last von meinen Schultern. Stellte klar, dass jeder Veganer seinen eigenen Weg finden muss. Was ich mit meinen Lederschuhen anstellen will, muss ich mir selbst überlegen. Es gibt keinen 10-Punkte Plan, den man machen muss, damit man sich offiziell vegan nennen darf. Die Grenzen des veganen Alltags muss ich selbst festlegen. Hab ich ein Problem mit roter Farbe aus Schildläusen? Mit Bienen? Bin ich vegan in meiner Ernährung oder kaufe ich mir auch veganes Make-Up, Klamotten, Schuhe… Wird auch mein Haushalt vegan?

Das alles obliegt mir. Wie weit ich gehe, kann mir niemand vorschreiben. Ich lege es selbst fest. Das hat ehrlicherweise eine Weile gedauert. Komischerweise erwarten die Leute von Veganern, dass sie von jetzt auf gleich alles zu 100% machen. Richtig machen. Und sind dabei strenger zu ihnen, als zu sich selbst. Das der Umstieg auf Veganismus ein Prozess ist, wird dabei übersehen.

Jetzt nach einigen Monaten habe ich meine Antworten gefunden. Ich kaufe bewusst keinen Honig und keine Klamotten mit Wolle. Ich behalte meine Daunendecke und Lederschuhe. Kaufe aber keine neuen. Ich ernähre, pflege und schminke mich vegan und tierversuchsfrei. Mir geht es um das Tierleid in den Schlachthäusern, den Überkonsum von Fleisch und Tierprodukten, der Umweltzerstörung durch die Massentierhaltung. Ich möchte mich daran nicht beteiligen. Und ich möchte gesünder leben.
Und dass ich niemanden überreden kann, es mir gleich zu tun, hab ich spätestens dann gelernt, als ich mit dem Rauchen aufgehört habe. Das sind so Dinge, die jeder für sich selbst entscheiden muss. Da kann dir niemand reinquatschen und Wunder erwarten.

Urban Street Art auf dem Teufelsberg

Auf Europas größtem Urban Street Art Gelände – dem Teufelsberg im Grunewald

Heute verbrachte ich den Tag mit meiner lieben Freundin von beta2version im Berliner Grunewald auf dem Teufelsberg und bewunderte jede Menge beeindruckender Urban Street Art.

Zunächst einmal waren wir beide noch nie im Grunewald. Ja, als Berliner passiert das mal. Wir haben es ja jetzt nachgeholt. Nach einer ausführlichen BVG-Fahrplandiagnose brachte uns die GPS Google-Navigation sicher durch den Wald zum Teufelsberg.

Leicht außer Atem erreichten wir die Anlage, die mit jeder Menge Zaun umschlossen ist. An einigen Stellen sieht man noch Ausbesserungen, von Leuten die „unbefugt“ die Anlage betreten wollten. Wären wir mal früher gekommen.

Egal. Wir drehten eine Runde um den Berg und entschlossen uns, vor dem vermeintlichen Haupteingang zu warten. Frau Beta wusste, dass es stündlich Führungen gibt. Nach nicht mal 10 Minuten nachdem wir unsere Butterbrote aufgegessen hatten, ertönte ein lautes 30er Jahre Swing Lied im Wald und ein alter VW Bus, der zu einem mobilen Eis-Laden umfunktioniert wurde, düste um die Ecke. Mit dabei auch einige Leute von der Künstlervereinigung, die die Touren über das Gelände geben.

Nach 10 Minuten und 7€ leichter wurden wir von einem sehr netten Guid zum Turm geführt. (Bevor wir das Gelände betreten durften, musste jeder einen Haftungsausschluss unterschreiben. Denn hier gilt: Betreten auf eigene Gefahr.)

Der Guide
führte uns langsam über das Gelände und nannte uns alle Sicherheitsvorkehrungen und Gebote, die wir beachten sollten. Endlich im Turm ging es Stockwerk um Stockwerk höher. Die Aussicht über den Grunewald und Berlin ist grandios. Wir hatten zudem das Glück, dass die Sonne schien und keine Wolke am Himmel die Aussicht trübte.

Das Haus selbst wurde komplett entkernt. Es gibt weder Türen, noch Fenster. Nur noch Mauerwerk. Wahrscheinlich aus diesem Grund ist es ein perfekter Ort für zahlreiche unfassbar talentierte Graffiti– und Stencil-Künstler. Jedes Stockwerk faszinierte mit großen Bildern. Wir schauten uns begeistert alles an und knipsten Fotos um die Wette.

Schließlich durften wir den Turm hinauf in die Kuppel. Die Akustik dort ist einmalig und ist echt lustig. Alles was man sagt bildet mehrmals ein Echo.  Nach ca. 1 Stunde gingen wir alle wieder runter und verließen das Gelände. Ein toller Besuch bei Bombenwetter. Hat sich gelohnt. Nächstes Mal gehen wir auf den Müggelturm.

Tofu, Soja und Co. – Welche Sorten schmecken? Ein kleiner Überblick.

Vor nunmehr zwei Jahren entschied ich mich, vegetarisch zu leben. Ich hatte mir ausgerechnet zu Ostern mehrere Dokus und Filme angesehen. Es ging dabei um Massentierhaltung, geschredderte Küken, durchgeschlitzte Rinderkehlen und Tierschutzorganisationen, die sich auf Hühnerfarmen schleichen und dabei über Tierleichen stiegen.  An diesem Tag hat es mir buchstäblich die Augen geöffnet und den Appetit verdorben. Ich entschied mich, künftig auf Fleisch zu verzichten. Um ehrlich zu sein, fand ich es auch nicht sonderlich tragisch. Ich koche zwar gern deftig. Und auch gern Gerichte aus der deutschen Hausmannskost, aber wann mach ich das? Allenfalls zu Feiertagen oder wenn Besuch ansteht. Also nicht so oft. Ich hab im Alltag eh nicht viel Fleisch gegessen. Die paar dünnen Scheiben Schinkenwurst vom Netto zählen für mich nicht wirklich als Fleisch. Ich mein, ist das richtiges Fleisch oder irgendwas industriell künstlich Hergestelltes mit Unmengen Salz und Kräuterrand.

Ich bin einer von den Vegetariern, die aus moralischen Gründen auf Fleisch verzichten. Weil sie schlimme Dokus gesehen haben, die man nicht ignorieren kann. Man hat mich oft gefragt, warum ich mir das anschaue. Schließlich wisse man doch, dass das schlimm ist und man sich „sowas“ nicht ansieht. Na wenn das die Einstellung ist „Gute Nacht“.

Mit der Zeit fing ich an, mich auch für die vegane Ernährungsform zu interessieren. Ich wühlte mich also durch mehrere Seiten, Blogs und Apps und saugte jede Menge Informationen auf. Und trotzdem – die Überwindung schien mir weitaus größer. Schaff ich es denn auf Käse zu verzichten? Meinen geliebten Käse? Ein Leben ohne Schweizer Gruyerzer?

Ja klar. Ich wollte es zumindest ausprobieren. Also begann ich, mir Sojajoghurts und Tofu zu kaufen. Genauer gesagt, fing ich an, mich durchzuprobieren. Ich denke, jeder Vegetarier/Veganer kennt das Problem der riesigen Auswahl. Da gibt es reines Tofu, Räuchertofu, Räuchertofu mit Mandeln und Sesam, Currytofu, Oliventofu, Tomatentofu und und und. Und das alles von verschiedenen Herstellern. Und alle schmecken anders. Die einen sind ziemlich trocken und bröckelig, die anderen recht wässrig und geschmacklich fad. Wer soll denn da durchsehen?

Ich mach es euch einfach und nenne euch meine Favoriten der Tofus, Bratlinge und Sojajoghurts.

1. Tofu

  • Räuchertofu von Edeka – Hausmarke. Preis:  1,99€
  • Räuchertofu mit Mandeln und Sesam aus dem Bioladen von Taifun. Preis:  2,69€
  • als Notlösung, falls der Edeka und der Bioladen geschlossen haben, geht noch die Hausmarke vom Kaisers.  Preis: 1,99€

Das wars. Es tut mir leid, mehr gibt es nicht. Wie ich darauf komme? Naturtofu geht einfach gar nicht. Er schmeckt nach nichts und hat eine wabbelige Konsistenz. Völlig egal, von welchem Hersteller. Die Currytofus und Tomatentofus und wie sie alle heißen, sind einzeln nur so mittelmäßig. Entweder ist der Geschmack irgendwie künstlich und etwas überbordend oder der Tofu ist wässrig. Man kann sie allenthalben für Reis- oder Gemüsegerichte nehmen, wo sie ein kleiner Bestandteil unter vielen Gemüsesorten sind. ;)

2. Sojajoghurts und Getränke als Ersatz für Milchjoghurts und Milch.

  • Alpro Sojajoghurt Zero (ohne Zucker) 1,59€
  • Alpro Sojajoghurt Vanille 1,59€
  • Provamel Sojajoghurt Vanille 1,59€
  • Alpro Mandelmilch 2,49€

Es gibt bei den Joghurts noch eine Reihe verschiedener Geschmackssorten, wie Heidelbeere, Limette oder Käsekuchen. Aber ich finde sie eindeutig zu süß. Selbst die Vanillejoghurts sind schon süß, aber im Vergleich noch recht zurückhaltend (nichts geht über eine kleine Schale Vanillejoghurt mit Apfel-Mangomark – ist einfach super lecker). Der einfache Natursojajoghurt ohne Zuckerzusatz schmeckt halt nach – nichts. Also nach nichts schlechtem zumindest. Ich würde ihn deswegen immer mit einer zweiten Zutat aufwerten: Zimt, Honig, Apfelmus, Obst oder Haferflocken.

Bei den Drinks (Milchen) sieht das Feld leider auch etwas dünn aus. Die Mandelmilch ist von allen die teuerste, schmeckt aber leider auch am besten. An Reis- oder Dinkelmilch bin ich persönlich nur schwer rangekommen. Sie schmecken irgendwie nussig und sehen aus wie Wasser mit weißer Farbe. Und Sojamilch schmeckt in meinen Augen immer wie (süße) Kaffeesahne. Oft habe ich darüber hinweg gesehen und mir Kaffee mit Sojamilch bestellt. Aber als eingefleischter Kaffeetrinker konnte ich das nicht lange ertragen. Es schmeckt einfach sehr süß und irgendwie nicht gut. Anders kann ich das nicht beschreiben. Da trink ich meinen Kaffee lieber schwarz.

3. Jetzt kommen wir zu den Bratlingen. Zu empfehlen sind folgende Sorten:

  • Falafelbällchen zum Anrühren von Davert. Preis: 1,75€
  • Rosmarinrouladen von Weathy. Preis: 3,89€
  • Schnitzel von Valess. Preis: 1,99€
  • Kebab von Wheaty. Preis: 3,95€
  • Taifun Oregano Bratlinge. Preis: 2,69€
  • Kamut Bratlinge (Firma weiß ich nicht, mehr. War aber eine lila Verpackung) Preis: 2,85€

Wer sich grade über die Preise erschrickt – ja teuer sind sie alle. Auch wenn man mit der Lebensweise seinen Beitrag leistet, so lässt man dafür auch ganz schön viel Geld.

Ich hoffe, der Beitrag war für euch hilfreich. Welche Favoriten habt ihr? Ich freue über neue Ideen und Empfehlungen!