2 Jahre vegan…

… und überzeugter denn je.

Da bin ich nun. In diesem Monat feiere ich mein 2-jähriges. Ganz sang- und klanglos. Zwei Jahre, die ich nun vegan lebe. Zwei Jahre voller Erst-Erfahrungen. Ich muss sagen, sie gingen schnell ins Land. Wahnsinn. Ich habe durchmischte Gefühle, wenn ich an die kommenden Jahre denke. Nicht, dass ich mich später nicht mehr vegan ernähren möchte, aber die Reaktionen der Mitmenschen sind schon sehr verschieden und ich hoffe, den goldenen Weg zu finden, mit diesen Reaktionen umzugehen.

Zuerst einmal bin ich eine Veganerin, die damit nicht großartig hausieren geht und allen davon erzählt. Ich habe es meinem direkten Umfeld gesagt, einfach damit sie wissen, warum ich dieses oder jenes nicht mehr essen möchte. Bei den Leuten, die es nicht wissen, ergibt es sich irgendwie. Meistens daraus, was auf meinem Teller liegt. Warum ich nicht einfach mit in die Kantine komme und mir Nackensteak mit Gemüse bestelle, sondern für 15 Minuten verschwinde und mit frischen Mangostreifen und einer Nussmischung vom Asiaten zurückkomme. Warum der Aufwand?

Es begann damit, dass ich vor gut 4 Jahren begann, mich vegetarisch zu ernähren. Es war Ostersonntag, ich aß gerade Salat und schaute mir auf dem Laptop eine Doku über Vegetarismus an. Surfte von einer Webseite zur nächsten und landete bei peta. Diverse Videos, Artikel und Stunden später entschied ich mich vegetarisch zu leben. Ich sagte Fleisch von einen auf den nächsten Tag ab.
Ich habe immer viel Fleisch gekocht, gebraten und in den Ofen geschoben. Ich war gut in der „Deutschen Hausmannskost“.  Seitdem lebte ich aber vegetarisch. Ganz einfach. Ich glaube, weil mir buchstäblich der Appetit vergangen ist.
Im Laufe der Zeit sagte ich mir, dass ich früher oder später auch keinen Fisch mehr essen möchte. Ich verstand mich erst dann als voller Vegetarier. Denn ich hatte schon da eine Ahnung davon, dass man Fische nicht einfach aus der Rechnung ausklammern konnte. Hab es aber eine Zeit lang noch verdrängt.

Nach 2 Jahren, war ich wieder allein zuhause. Es war spät und ich konnte nicht schlafen. Dachte wieder daran, mit dem Fischverzehr aufzuhören und schaute mir wieder diverse Videos, Artikel und Dokus an.
Von dieser Nacht an, entschied ich mich, komplett auf Tiere und Tierprodukte zu verzichten. Fisch, Käse und Eier sollten aus meinem Leben verschwinden. Ich weiß, diesen Artikel lesen sehr wahrscheinlich nur andere Vegetarier oder Veganer, weil man als Omnivore das echt nicht wissen will. Man ahnt ja bereits, dass es Veränderung mit sich bringen könnte. Und weil einem das als zuviel erscheint, informiert man sich nur ungern. Verständlich.

Ich möchte aber die wenigen Omnivoren kurz ansprechen, die vielleicht doch diesen Artikel lesen. Solltet ihr euch mal informieren wollen, stellt euch darauf ein, dass es traurig wird. Wenn ihr erst einmal seht, wie die Tiere vor Angst die Augen aufreißen, schreien und um sich treten. Da kommen euch die Tränen. Ihr seit mitfühlende Wesen. Euch werden mit absoluter Sicherheit die Tränen kommen. Das sind harte Szenen, die man ehrlich gesagt auch erstmal verdauen muss. Also gut schlafen kann man danach nicht. Es tut mir leid, dass so sagen zu müssen, aber so ist es.

Deswegen verstehe ich, dass dieser Wunsch, sich zu informieren erst kommen muss. Von ganz allein. Ich verurteile niemanden, der Fleisch isst. Ich weiß, dass die meisten Menschen auf diesem Planeten mitfühlende, warmherzige Wesen sind. Und wie Paul McCartney sagt: Wären Schlachthäuser aus Glas, würde niemand mehr Fleisch essen.

Aber das sind sie nicht. Und so wächst die Zahl der Veganer nur langsam. Aber hey, sie wächst! :)

 

An diesem einen ersten Tag meines neuen veganen Lebens machte ich mir größere Sorgen um die Reaktion meines Umfelds, als um meine neue Lebensweise. Ich dachte, ich bekomme mächtig Gegenwind und dass man das nur für eine Phase abstempelt. Aber nein. Meine engsten Freunde und meine Familie waren offen dafür. Stellten mir zig Fragen, die ich mittlerweile immer besser beantworten kann. Ich bin ja weder Ernährungsberaterin, noch Chemikerin oder Ärztin. Es fällt mir bis heute schwer Statistiken und medizinische Begriffe 1:1 am Kuchentisch quer über die Kaffeetasse wiederzugeben. Diese Informationsflut kann ich mir nicht auf Anhieb merken. Wen es interessiert, der kann mich gern nach Quellen fragen und sich selbst belesen :)

Es gibt aber auch andere Reaktionen. Gefährliches Halbwissen gepaart mit Verschlossenheit. Und darauf hab ich bis heute keine Antwort. Manchmal kann ich locker damit umgehen und alles erklären und manchmal fällt es mir super schwer. Denn ich fühl mich als diejenige, die sich erklären muss. Und bitte hieb und stichfest mit Statistiken und medizinischem Know-how.
Alle bestehen darauf, dass Kinder sich gesund ernähren und viel Obst und Gemüse essen. Wenn man dann aber sagt, ich ernähre mich jetzt nur noch pflanzenbasiert, fragen sich alle, ob man dann nicht unterversorgt ist und Mangelerscheinungen bekommt. Häh? Die Logik ist so verdreht – häh? Wie soll ich locker bleiben, wenn die Person gegenüber eh schon die Arme verschränkt und die Augen zusammenkneift, als wäre ich im Verhör?

Frag mal Jaqueline aus Marzahn, die sich hauptsächlich von Wurst ohne Ende, Toast, Nutella und Käse ernährt. Frag sie mal, wie ihre Blutwerte sind. Und ob sie darauf achtet, wie ihr Eisenwert im Blut ist. Ob sie genug Vitamine und Ballaststoffe bekommt. Wie ihr Cholesterinwert ist. Es ist völlig absurd, anzunehmen, dass eine Ernährung, die auf Antibiotika vollgepumptes Fleisch, stark verarbeiteten Lebensmitteln und verstecktem Zucker basiert, gesund sei und eine vollwertige pflanzliche Ernährung aus Obst, Gemüse, Kohlenhydraten, Nüssen und Vollkorm ungesund. Sorry, ne.

Mit den Jahren kommt immer mehr Wissen dazu. Es ist erschreckend.
Wer viel Milch trinkt, wird groß und stark. So ein Schwachsinn. Welche Evolution würde denn zulassen, dass eine Spezies nur überleben kann, wenn sie die Muttermilch von anderen Spezies trinkt?
Die Milch von Kühen ist vollgepumpt mit Wachstumshormonen. Damit das eigene Kalb schnell groß und stark wird. Das Kalb. Ein junges Rind. Das vor der Domestizierung durch den Menschen im Freien gelebt hat und überleben musste.
Unser menschlicher Körper hat einen ganz eigenen Hormonhaushalt. Und der ist mega komplex. Wenn man den Hormoncocktail, namens Muttermilch, einer frisch gewordenen Mutterkuh trinkt, nehmen wir einen komplexen Hormonhaushalt zu uns, mit dem unser erst einmal klarkommen muss. Und jetzt überlegt euch mal, dass wir in gekaufter Milch ja nicht die Milch von einer einzigen Kuh trinken, sondern die von mehren hundert. Und da wundern sich einige, dass sie Milch nicht vertragen?
Milch ist ein riesen Thema. Es gibt ganze Bücher und Reportagen nur zur Milchindustrie und den Auswirkungen auf den menschlichen Organismus. Genauso verhält es sich mit Fleisch. Uns wird von klein auf antrainiert, dass Männer, die grillen und viel Fleisch essen, unheimlich männlich sind. Und das Frauen, die auf Bouletten stehen, unheimlich cool (weil männlich). Aber das erektile Dysfunktion (Impotenz) und verstopfte Arterien, aufgrund von hohem Fleisch- und Wurstkonsum zusammenhängen, darüber redet man nicht.

Seit ich vegan lebe und sehr viele Statistiken gelesen und recherchiert habe, komme ich mir manchmal vor, als würde ich auf einem anderen Planeten leben. Ich muss mich wie ein Chemiker rechtfertigen, welche Mineralien und Aminosäuren ich mir über meinen Salat voller Ballaststoffe (Gemüse), Kohlenhydraten (Kartoffel, Quinoa) und guten Fetten (Leinöl, Avocado, Nüsse) zuführe, während sich jemand einen fettigen, arterienverstopfenden Döner in den Mund schiebt.

Ja, ich schreibe mich gerade in Rage. Ich esse und konsumiere keine Tiere, verringere meinen ökologischen Fußabdruck massiv, mach mir Gedanken um die Zukunft des Planeten, werde länger und gesünder leben und hoffentlich einen positiven Abstrahleffekt auf mein Umfeld haben und ein Mensch mit vor Fett triefenden Tierresten zwischen Weißbrot, Rotkohl und Mayonaise in der Hand sagt mir, ich bin komisch und extrem? Wann genau ist die Menschheit eigentlich falsch abgebogen?

 

Nun ja. Kurze Pause.

 

So läuft es. Seit zwei Jahren. Ich achte bei neuen Gürteln darauf, dass sie aus Kunstleder sind, google viel über Winter-Kunstlederschuhe, Pinatex und Naturkosmetik. Ich ernähre mich Fleisch-, Käse- und Milchfrei. Ich achte bei Süßigkeiten darauf, dass sie vegan sind, backe vegan und verwende nur noch tierversuchsfreie Naturkosmetik. Ich esse gesünder denn je und achte links und rechts mehr auf ein ökologisches und nachhaltiges Leben.

Meine Freunde und Kollegen bezeichnen mich als entspannte Veganerin. Ich hoffe, ich kann mir diese Einstellung bewahren. Sollen sie alle machen und essen, was sie wollen. Ich esse und mach ja auch, was ich will.
Ich könnte noch viiiel mehr schreiben, über die geilen Rezepte und Geschmacksexplosionen, die man auf einmal kennen lernt, die positiven Veränderungen des Körpers, des Geruchs- und Geschmackssinns und vieles mehr. Aber das mach ich im nächsten Artikel. Der hier ist schon viel zu lang.

Wer also tatsächlich bis hierher angelangt ist: ICH FREU MICH! Offensichtlich interessiert dich das Thema. Vielleicht packt es dich ja die ein oder andere Minute und du möchtest dir auch mal mehr zu dem Thema Massentierhaltung, Klimawandel und Auswirkungen von Tierprodukten auf den menschlichen Organismus anschauen. Dann hab ich hier ein paar gute Links für dich:

Webseiten:

Bücher:

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